Nach einem Strandspaziergang liegt die Tasche voller Schalen, und zu Hause beginnt das Rätseln. Muscheln bestimmen gelingt an Nord- und Ostsee schneller als gedacht, denn die Zahl der häufigen Arten ist überschaubar. Sie brauchen dafür einen Blick für wenige Merkmale: Umriss, Rippen, Schloss und Farbe. Dieser Ratgeber zeigt, worauf Sie achten, welche Arten Sie am Spülsaum fast sicher finden und was beim Muscheln sammeln erlaubt ist.
Muschel oder Schnecke?
Umgangssprachlich heißt am Strand fast alles „Muschel“. Biologisch sind es zwei verschiedene Gruppen der Weichtiere. Eine Muschel besitzt zwei Schalenhälften, die Klappen. Sie sind am Rücken durch ein elastisches Band und das Schloss verbunden, eine Leiste mit kleinen Zähnen, die ineinandergreifen. Am Strand liegen meist einzelne Klappen, weil das Band nach dem Tod des Tieres zerfällt.
Eine Schnecke hat dagegen ein einziges Gehäuse, fast immer spiralig gewunden, mit einer Öffnung, der Mündung. Manche Arten verschließen sie mit einem Deckel. Wer Schneckengehäuse bestimmen will, schaut deshalb auf andere Merkmale als bei Muscheln.
Muscheln bestimmen: die wichtigsten Merkmale
Legen Sie die Klappe mit der Innenseite nach oben vor sich. Dann prüfen Sie der Reihe nach:
Umriss. Rund, herzförmig, länglich oder schmal wie ein Messer: Schon die Form grenzt die Art stark ein. Oberfläche. Rippen, die strahlenförmig vom Wirbel ausgehen, sind ein anderes Merkmal als konzentrische Zuwachsstreifen. Schloss. Zahl und Form der Schlosszähne unterscheiden Familien, die von außen ähnlich aussehen. Innenseite. Hier zeichnen sich die Ansätze der Schließmuskeln ab, bei manchen Arten auch eine Einbuchtung der Mantellinie. Perlmuttglanz oder eine bestimmte Innenfarbe helfen ebenfalls.
Ein kleines, rundes Loch nahe dem Wirbel stammt übrigens oft von einer Raubschnecke, die sich durch die Schale gebohrt hat. Für die Bestimmung ist es kein Hindernis.
Schneckengehäuse bestimmen
Bei Schnecken zählt zuerst die Gestalt des Gehäuses: hoch und spitz, flach oder gedrungen. Danach kommen die Mündung (rund, oval oder in einen Kanal ausgezogen), die Zahl und Wölbung der Windungen und die Oberfläche mit Rippen, Knoten oder Streifen. Die meisten Gehäuse sind rechtsgewunden: Hält man die Spitze nach oben und die Mündung zu sich, liegt sie rechts.
Muscheln sammeln an der Nordsee
Im Wattenmeer und an den Stränden der Inseln finden Sie vor allem diese Arten:
Herzmuschel. Kräftige, strahlenförmige Rippen, von der Seite gesehen herzförmig. Am Spülsaum liegt sie oft zu Tausenden. Miesmuschel. Länglich, außen blauschwarz, innen mit bläulichem Perlmuttschimmer. Amerikanische Schwertmuschel. Lang und schmal wie ein Messergriff; die eingeschleppte Art gehört heute zu den häufigsten Strandfunden. Pazifische Auster. Unregelmäßig, dick und blättrig geschichtet, ebenfalls eingewandert. Sandklaffmuschel. Groß, grauweiß, die Klappen klaffen am Hinterende auseinander.
Unter den Schnecken sind die Wellhornschnecke mit ihrem großen, spitzen Gehäuse und welligen Rippen sowie die kleinere, dunkle Strandschnecke verbreitet. Ballen aus hellen, leeren Eikapseln der Wellhornschnecke spült das Meer ebenfalls an.
Muscheln sammeln an der Ostsee
Die Ostsee ist weniger salzig als die Nordsee und deshalb artenärmer, nach Osten hin immer mehr. Häufig sind auch hier Miesmuschel, Herzmuschel und Sandklaffmuschel, dazu die kleine Baltische Plattmuschel, deren rundliche Klappen weiß, rosa oder gelblich gefärbt sein können. Die Schalen bleiben im Brackwasser oft kleiner und dünner als an der Nordsee. Große Schneckengehäuse sind seltener; wer welche findet, sucht am besten in der westlichen Ostsee.
Was beim Sammeln erlaubt ist
Leere Schalen in kleinen Mengen für den eigenen Gebrauch mitzunehmen, ist an deutschen Stränden außerhalb von Schutzgebieten in der Regel kein Problem. Lebende Tiere gehören zurück ins Wasser, denn wild lebende Tiere dürfen nach dem Naturschutzrecht nicht ohne vernünftigen Grund gefangen oder getötet werden.
In den Nationalparks im Wattenmeer gelten eigene Regeln, und sie unterscheiden sich zwischen Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg. In den streng geschützten Zonen ist schon das Betreten eingeschränkt. Was Sie dort mitnehmen dürfen, erfahren Sie bei der Nationalparkverwaltung oder in den Informationszentren vor Ort.
Im Ausland ist Vorsicht angebracht. Manche Arten wie Riesenmuscheln oder die Große Fechterschnecke stehen unter internationalem Artenschutz; ohne Papiere drohen bei der Einreise Beschlagnahme und Bußgeld, auch bei leeren Schalen. Einige Urlaubsländer verbieten zudem die Ausfuhr von Muscheln, Korallen oder Sand ganz. Kaufen Sie Souvenirs nur mit Beleg und fragen Sie im Zweifel beim Zoll nach.
Sind Muscheln wertvoll?
Strandfunde von Nord- und Ostsee haben kaum einen Geldwert, ihr Reiz liegt im Fund selbst. Im Handel unter Sammlern zählen Seltenheit der Art, Größe, unbeschädigte Schale und natürliche Farbe. Dazu kommt die Fundangabe: Eine Schale mit Fundort und Datum ist für Sammler und Museen mehr wert als dasselbe Stück ohne Herkunft.
Reinigen und aufbewahren
Legen Sie leere Schalen einige Stunden in Leitungswasser, damit sich Salz und Sand lösen, und bürsten Sie sie mit einer weichen Zahnbürste ab. Stark verdünnte Bleiche entfernt Algenbeläge, greift aber Farben und die dünne Außenhaut mancher Arten an. Essig und andere Säuren lösen Kalk und haben an Muscheln nichts zu suchen.
Danach gut trocknen lassen und lichtgeschützt lagern, da viele Farben in der Sonne verblassen. Schränke und Kästen aus Eichenholz oder manchen Spanplatten geben Säuredämpfe ab, die Kalkschalen mit der Zeit angreifen. Säurefreie Kartons oder Glasbehälter sind die sicherere Wahl. Legen Sie jedem Fund ein Etikett mit Art, Fundort und Datum bei.
Worauf Sie beim Sammeln achten sollten
Muschelsammlung digital verwalten
Etiketten verrutschen, und nach ein paar Urlauben weiß niemand mehr, welche Herzmuschel von Norderney stammt und welche von Rügen. In COLLUX bringt das Sammelgebiet Muscheln & Schnecken die passenden Felder schon mit: Art, wissenschaftlicher Name, Familie, Fundort/Meer, Fundjahr, Erhaltung (lebend gesammelt, leer als Strandfund oder beschädigt), ein Häkchen für vollständige Stücke und die Größe in Millimetern.
Fotos laden Sie direkt vom Handy hoch. Über Standorte halten Sie fest, in welchem Kasten oder welcher Schublade ein Stück liegt. Vorhandene Listen übernehmen Sie per CSV-Import, und als Excel, CSV oder PDF exportieren Sie die Sammlung wieder. Eine Sammlung mit bis zu 100 Objekten ist dauerhaft kostenlos.
Häufige Fragen zum Muscheln bestimmen
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