Postkarten sammeln ist günstig im Einstieg und lässt sich beliebig vertiefen. Die meisten Sammler beginnen mit einem Schuhkarton voller Karten aus dem Nachlass und stellen dann fest, dass ihre Heimatstadt vor hundert Jahren ganz anders aussah. Fachlich heißt das Gebiet Philokartie. Ob Sie von Postkarten oder Ansichtskarten sprechen, ist dabei gleich: Gemeint sind Karten mit einem Bild auf der Vorderseite, und um die geht es hier.
Ansichtskarten sammeln: Themen und Schwerpunkte
Wer alles nimmt, hat bald Tausende Karten und keinen Überblick. Fast jeder Sammler setzt deshalb einen Schwerpunkt. Am weitesten verbreitet ist die Topografie: Ortsansichten einer Stadt, eines Landkreises oder einer Region. An solchen Reihen lässt sich verfolgen, wie ein Marktplatz, ein Bahnhof oder eine Straße sich über Jahrzehnte verändert hat.
Andere sammeln nach Motiven. Beliebt sind „Gruß aus“-Karten mit mehreren kleinen Ansichten, Feldpostkarten, Karten zu Eisenbahn, Schiffen und frühem Flugverkehr, Ereigniskarten von Ausstellungen und Festen sowie Künstlerkarten bekannter Illustratoren. Wer es enger mag, konzentriert sich auf einen Verlag oder eine Drucktechnik.
Alte Ansichtskarten datieren
Ein lesbarer Poststempel ist der einfachste Beleg. Er nennt das Datum, an dem die Karte verschickt wurde; gedruckt wurde sie oft schon einige Jahre früher. Fehlt der Stempel, helfen andere Merkmale weiter.
Die Rückseite. Bei frühen Karten war die Rückseite allein der Adresse vorbehalten, der Gruß musste auf die Bildseite. Erst die geteilte Rückseite mit Textfeld links und Adressfeld rechts, in Deutschland ab etwa 1905 zugelassen, schuf das heute vertraute Bild. Eine ungeteilte Rückseite spricht deshalb für eine frühe Karte.
Das Format. Bis weit ins 20. Jahrhundert haben Karten meist das Kleinformat von rund 9 × 14 cm. Das heute übliche größere Format setzte sich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch.
Die Drucktechnik. Unter der Lupe zeigen Lithografien und Chromolithografien geschlossene Farbflächen ohne Raster. Auch Echtfotokarten haben kein Punktraster, weil sie auf Fotopapier belichtet sind. Ein regelmäßiges Raster deutet auf Autotypie oder Offsetdruck, also eher auf spätere Massenware.
Details im Bild. Fahrzeuge, Kleidung, Werbeschilder und Bauten, die nachweislich erst zu einem bestimmten Zeitpunkt standen, grenzen das Alter weiter ein. Eine fünfstellige Postleitzahl in Adresse oder Verlagsangabe gibt es erst seit 1993.
Sind alte Ansichtskarten wertvoll?
Die meisten nicht. Alter allein macht keine Karte selten, denn um 1900 wurden Ansichtskarten in riesigen Auflagen gedruckt und verschickt. Wer eine Kiste Karten aus dem Nachlass bewerten lässt, findet darin meist viel Massenware und mit etwas Glück einige gesuchte Stücke. Was den Wert ausmacht:
Motiv und Ort. Der Kölner Dom oder Schloss Neuschwanstein wurden millionenfach verkauft. Eine Echtfotokarte aus einem kleinen Dorf mit Gasthaus, Kaufladen oder Bahnhof gibt es dagegen oft nur in wenigen Exemplaren, und Heimatsammler suchen genau diese. Belebte Straßenszenen mit Menschen und Fahrzeugen sind gefragter als leere Landschaften.
Erhaltung. Knicke, bestoßene Ecken, Flecken, Risse und Reste von Klebstoff mindern den Wert deutlich. Saubere Karten mit scharfen Ecken erzielen bei gleichem Motiv spürbar mehr.
Stempel und Marke. Seltene Stempel kleiner Postämter, Bahnpost- oder Schiffspoststempel machen eine Karte auch für Briefmarkensammler interessant. Deshalb gehört die Marke immer an die Karte und wird nie abgelöst.
Gelaufen oder ungelaufen. Bei topografischen Karten bevorzugen viele Sammler gelaufene Exemplare, weil der Stempel sie datiert. Bei Künstlerkarten zählt eher eine saubere, unbeschriebene Bildseite.
Den Wert von Ansichtskarten bestimmen
Einen umfassenden Preiskatalog wie bei Briefmarken gibt es für Ansichtskarten nicht. Den realistischen Wert zeigen tatsächlich bezahlte Preise. Auf Online-Marktplätzen wie eBay und Delcampe lassen sich verkaufte Angebote filtern; suchen Sie gezielt nach Ort und Motiv. Angebotspreise sind dagegen wenig aussagekräftig, weil viele Karten zu überhöhten Preisen liegen bleiben.
Für eine fachkundige Einschätzung lohnen sich Ansichtskartenbörsen und Sammlervereine, oft mit regionalem Schwerpunkt. Größere Sammlungen bewerten auch Auktionshäuser, die auf Philatelie und Ansichtskarten spezialisiert sind.
Nachdrucke erkennen
Beliebte alte Motive wurden immer wieder nachgedruckt, teils als Souvenir, teils mit Täuschungsabsicht. Ein Blick mit der Lupe hilft: Ein Nachdruck einer Lithografie zeigt fast immer ein Raster oder Druckpunkte. Verglichen mit altem Papier ist moderner Karton oft weißer und glatter, und die Rückseite trägt manchmal den Hinweis auf einen Nachdruck. Gestempelte, gelaufene Karten mit zeitgenössischer Marke sind schwerer zu fälschen.
Postkarten richtig lagern
Licht lässt Farben verblassen, Feuchtigkeit fördert Stockflecken, saures Papier vergilbt. Bewahren Sie Karten einzeln in säurefreien Schutzhüllen aus Polypropylen oder Polyester auf, nicht in Hüllen aus PVC, denn deren Weichmacher schaden auf Dauer. Sicher stehen sie in Karteikästen oder stecken in Alben mit passenden Taschen. Der Raum sollte trocken, kühl und dunkel sein; Dachboden und Keller sind ungeeignet. Klebeband, Fotoecken mit Klebstoff und Gummibänder gehören nicht an eine Sammlerkarte.
Worauf Sie beim Sammeln achten sollten
Postkartensammlung digital verwalten
Ab ein paar Hundert Karten wissen Sie nicht mehr, ob Sie eine Ansicht schon haben. In COLLUX bringt das Sammelgebiet Ansichtskarten die passenden Felder mit: Motiv/Ort, Thema, Verlag, Kartenart von der Lithographie bis zur Echtfotokarte, Land, Kartenformat und Zustand. Für die Datierung gibt es Poststempel-Datum und Stempelort, dazu Häkchen für gelaufen, frankiert, beschrieben und farbig.
Fotos laden Sie direkt vom Handy hoch; auf Wunsch schlägt COLLUX die Angaben anhand des Fotos vor. Über Standorte finden Sie jede Karte im richtigen Kasten wieder. Kaufpreis und geschätzter Wert ergeben den Gesamtwert der Sammlung, dessen Verlauf Sie verfolgen können. Als Liste für die Versicherung oder für einen Tauschpartner exportieren Sie die Sammlung als Excel, CSV oder PDF.
Häufige Fragen zum Postkartensammeln
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