Ein Schuhkarton voller Bilder aus dem Nachlass, ein Album mit steifen Porträtkarten vom Flohmarkt: Wer nach dem Wert alter Fotografien fragt, hat meist so einen Bestand vor sich. Die ehrliche Antwort vorweg: Die allermeisten Familienfotos haben großen persönlichen, aber geringen Marktwert. Wertvolle Fotografien gibt es trotzdem, und ob ein Stück dazugehört, lässt sich an wenigen Merkmalen recht gut abschätzen. Dafür müssen Sie zuerst wissen, was Sie vor sich haben und wie alt es ist.
Frühe Verfahren grob unterscheiden
Nachdem 1839 die Daguerreotypie öffentlich vorgestellt wurde, wechselten die Verfahren im 19. Jahrhundert mehrfach. Jedes hinterließ erkennbare Spuren.
Daguerreotypie. Das Bild sitzt auf einer versilberten Kupferplatte und ist ein Unikat ohne Negativ. Die Oberfläche spiegelt, und je nach Blickwinkel erscheint das Bild positiv oder negativ. Fast immer steckt sie hinter Glas in einem kleinen Etui.
Ambrotypie und Ferrotypie. Ebenfalls Unikate, aber auf Glas mit dunklem Hintergrund oder auf lackiertem Eisenblech. Ein Magnet hilft bei der Unterscheidung: Er haftet nur an der Ferrotypie. Beide spiegeln nicht wie eine Daguerreotypie.
Albuminabzug. Der typische Papierabzug der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Weil das Papier sehr dünn ist, wurde es fast immer auf Karton aufgezogen. Der Bildton ist warm, bräunlich bis violett, die hellen Stellen sind oft vergilbt.
Silbergelatineabzug. Ab dem späten 19. Jahrhundert setzte er sich durch und blieb das Standardverfahren der Schwarzweißfotografie im 20. Jahrhundert. Verglichen damit ist das Papier dicker, der Ton neutraler, oft kühl grau bis schwarz. Mit den Jahren zeigt sich an den Rändern dunkler Bildpartien manchmal ein silbriger Schimmer.
Bei Unsicherheit hilft eine Lupe. Unter starker Vergrößerung zeigt ein Druck aus Zeitschrift oder Postkartenverlag ein Raster aus Punkten, ein echter Abzug dagegen nicht.
Alte Fotos datieren: Format, Karton, Atelierstempel
Ein Datum steht selten auf dem Bild. Dafür verrät die Aufmachung viel. Im 19. Jahrhundert wurden Porträts auf genormte Kartons geklebt. Die kleine Visitkarte im Format von etwa 6 mal 10 Zentimetern war ab den 1860er-Jahren verbreitet, das größere Kabinettformat folgte wenig später. Kartonfarbe, Eckenform, Goldschnitt und die Gestaltung der Rückseite änderten sich mit der Mode und grenzen ein Bild oft auf ein Jahrzehnt ein.
Der wichtigste Hinweis ist meist der Atelierstempel oder der aufgedruckte Name des Fotografen auf der Rückseite. Steht dort eine Adresse, helfen historische Adressbücher der Stadt weiter: Sie zeigen, in welchen Jahren das Atelier unter dieser Anschrift tätig war. Auf Bildern selbst helfen Kleidung, Frisuren und im Freien Fahrzeuge, Schilder oder Gebäude.
Für das 20. Jahrhundert gelten andere Merkmale. Fotos im Postkartenformat tragen auf der Rückseite oft einen Vordruck. Gezackte Büttenränder sind typisch für Amateurabzüge der Jahrzehnte um die Jahrhundertmitte. Farbabzüge aus Labor und Fotoladen haben häufig einen Rot- oder Gelbstich bekommen, weil einzelne Farbstoffe schneller verblassen als andere.
Was alte Fotografien wertvoll macht
Das Alter allein macht ein Foto noch nicht wertvoll. Ein anonymes Porträt auf Kabinettkarte ist häufig und wird entsprechend günstig gehandelt. Den Ausschlag geben andere Merkmale:
Fotograf. Abzüge bekannter Fotografinnen und Fotografen, belegt durch Signatur, Stempel oder Provenienz, bilden den Kern des Kunstmarkts. Motiv. Gesucht sind Ortsansichten, die eine Straße oder ein Gebäude vor dem Umbau zeigen, Arbeitswelt, Verkehr, Technik und Ereignisse von historischer Bedeutung. Für Sammler einer Region kann eine unscheinbare Dorfansicht mehr wert sein als ein gepflegtes Atelierporträt. Abzugsart. Ein Vintage-Print, also ein zeitnah zur Aufnahme vom Fotografen oder in seinem Auftrag gefertigter Abzug, ist mehr wert als ein späterer Abzug vom selben Negativ. Frühe Unikate wie Daguerreotypien sind schon wegen ihrer Seltenheit gesucht. Zustand. Knicke, Risse, Flecken, starkes Ausbleichen und abgeschnittene Ränder mindern den Wert.
Für eine Einschätzung vergleichen Sie abgeschlossene Verkäufe ähnlicher Stücke, bei Spitzenstücken die Ergebnisse von Fotoauktionen. Bei einem Verdacht auf einen bekannten Fotografen lohnt der Weg zu einem Auktionshaus mit Fotoabteilung oder einem Fotomuseum.
Die Fotosammlung archivieren
Fassen Sie Abzüge nur am Rand an, am besten mit Baumwoll- oder Nitrilhandschuhen. Fingerabdrücke greifen die Bildschicht an und lassen sich später kaum entfernen. Einzelne Bilder kommen in säurefreie Papierhüllen oder in Hüllen aus archivgeeignetem Kunststoff, nicht in PVC. Achten Sie auf den Hinweis, dass das Material den PAT-Test bestanden hat. Selbstklebende Fotoalben schaden auf Dauer, Bilder daraus lösen Sie vorsichtig oder lassen sie lösen.
Gelagert wird dunkel, kühl und bei gleichmäßiger, mittlerer Luftfeuchte. Dachboden und Keller sind wegen der Schwankungen ungeeignet. Beschriften Sie Rückseiten nur mit weichem Bleistift und ohne Druck, nie mit Kugelschreiber oder Filzstift. Alte Negative auf Nitratfilm sind leicht entzündlich und gehören nicht zu den übrigen Bildern; im Zweifel hilft ein Stadt- oder Kreisarchiv.
Worauf Sie beim Sammeln achten sollten
Alte Fotografien digital verwalten
Ein Nachlass mit hunderten Bildern lässt sich nur ordnen, wenn zu jedem Foto festgehalten ist, was man darüber weiß. In COLLUX hat das Sammelgebiet Fotografien die Felder dafür schon angelegt: Fotograf, Fotostudio/Atelier, Motiv, Anlass, Aufnahmeort, Aufnahmejahr oder genaues Aufnahmedatum und Abgebildete Personen. Unter Technik wählen Sie zum Beispiel Daguerreotypie, Albumin oder Silbergelatine, unter Bildtyp Abzug, Dia, Negativ oder Glasplatte. Dazu kommen Format, Höhe und Breite, Farbe, Auflage/Abzug, Häkchen für Signiert und Vintage-Print sowie Negativ vorhanden, Negativformat und Digitalisiert.
Vorder- und Rückseite laden Sie als Fotos direkt vom Handy hoch. In den Plänen Platinum, Hausrat und Business schlägt die KI-Erkennung aus einem Foto erste Angaben vor, die Sie vor dem Speichern prüfen. Einen Katalog oder automatische Marktpreise gibt es für Fotografien nicht. Kaufpreis und Schätzwert tragen Sie selbst ein, COLLUX rechnet daraus Gesamtwert und Wertverlauf. Über Standorte wissen Sie, in welchem Album oder Archivkarton ein Bild liegt.
Eine vorhandene Liste importieren Sie als CSV, exportiert wird als Excel, CSV oder PDF. COLLUX läuft im Browser auf Handy, Tablet und PC; eine App für das iPhone ist in Arbeit. Eine Sammlung mit bis zu 100 Objekten ist dauerhaft kostenlos, und jede Anmeldung startet mit 30 Tagen Platinum.
Häufige Fragen zu alten Fotografien
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